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Nein aus Liebe

„Soziale Bereiche können nur dann funk­tio­nieren, wenn sie Platz für Unge­horsam und die soge­nannten Gefühle – Wut, Schmerz, Trauer — des Kindes bieten.“ | Jesper Juul

Wer hat das noch nie erlebt?

Wenn ich manchmal Eltern in Bezie­hung zu ihren Kindern beob­achte — und damit schliesse ich mich selbst mit ein — erlebe ich oft, wie schwer es ihnen fällt, ihre eigenen Grenzen aufzu­zeigen und dabei zu bleiben. Meine Tochter ist 5 Jahre alt. Sie weiss, was sie will und was sie nicht will und gibt dem klar Ausdruck. Wenn ich einem ihrer Wünsche, sei dies ein Eis, länger aufzu­bleiben, die Zähne nicht putzen zu müssen, auf mir herum zu klet­tern etc., ein „Nein“ entgegne, passiert es mir oft, dass ich inner­lich zu wanken beginne, wenn sie darauf mit heftigem Wider­stand und Frus­tra­tion reagiert. Mein Selbst­ge­fühl wankt und ich stelle meine eben gesetzte Grenze in Frage.

Jesper Juul — Nein aus Liebe | Klare Eltern — starke Kinder

Die zwei Stimmen in mir

Da gibt es zwei Stimmen in mir, die eine sagt: Komm schon, was ist schon ein Eis, Zähne putzen, ach, sei doch nicht so stur, jetzt sei doch nicht so, lass sie doch noch etwas spielen .… Und die andere Stimme will sich durch­setzen, es gibt jetzt kein Eis, sie hat vorher schon etwas Süsses gegessen, Zähne putzen ist wichtig, ich will jetzt wirk­lich meine Ruhe.

Dabei geht es uns allen so

Wenn ich mit anderen Eltern rede, höre ich, dass es ihnen oft genau so geht wie mir. Dieser innere Konflikt ist an und für sich ganz natür­lich. Ihm liegen zwei exis­ten­zi­elle Bedürf­nisse zu Grunde. Das Bedürfnis nach Auto­nomie und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. 

Unser innerer Konflikt

In Bezie­hung mit anderen Menschen, insbe­son­dere mit Menschen, die uns nahe­stehen, kommen wir unwei­ger­lich mit diesem inneren Konflikt in Berüh­rung. Da stehen sich zwei starke Bedürf­nisse diame­tral gegen­über. Ein Grund­kon­flikt des Mensch­seins. Mir selbst hilft es, wenn ich mir Zeit nehme für mich, um mein inneres Werte­fun­da­ment zu stärken und für mich klarer zu werden, was ich will und was ich nicht will, was mir gefällt und was nicht und auch hinzu­schauen, was eigent­lich sonst noch alles mit mir passiert, wenn ich „Ja“ sage zu mir selbst.

Schuld­ge­fühle und Selbstzweifel

Was kommt da noch hoch? Schuld­ge­fühle, Selbst­zweifel? Viele von uns haben nämlich diese innere Selbst­ver­ständ­lich­keit, zu sich selbst zu stehen, irgendwo unter­wegs zum Erwach­sen­werden verloren. Wir haben zu viel koope­riert auf Kosten unserer eigenen Inte­grität (9 von 10 Kindern koope­rieren eher als für ihre Inte­grität einzu­stehen). Da hinzu­schauen ist oft schmerz­haft. Reden wir darüber, mit unseren Part­nern, was in uns lebendig ist und wie es uns gerade geht. Das stärkt, denn Kinder brau­chen Eltern, die Ihnen vorleben, dass es ok ist, „Ja“ zu sich selbst zu sagen und manchmal eben auch „Nein“ zu den Wünschen anderer.

Meine Buch­emp­feh­lung zu diesem span­nenden Thema

«Nein aus Liebe» von Jesper Juul. 

Meine Kurs­emp­feh­lung zu diesem Thema:

  • Fami­lylab Elterngruppen
  • Grenzen setzen ohne Wenn und Aber!
  • Familie, wie geht das denn.

Nicole Dänzler — September 2015

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